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Zero Trust einfach erklärt

Aktualisiert am 12.02.2026

Klassische Sicherheitskonzepte basieren auf Annahme eines klar abgegrenzten, vertrauenswürdigen internen Netzwerks. Das ist in vielen Organisationen heute nicht mehr realistisch: Anwendungen werden in die Cloud verlagert, Mitarbeitende greifen mobil auf Fachverfahren zu, externe Dienstleister sind eingebunden. In diesem Umfeld verliert der klassische Netzwerkperimeter an Schutzwirkung. Zero Trust adressiert genau diese veränderten Rahmenbedingungen.

Zero Trust Definition

Zero Trust beschreibt einen Sicherheitsansatz, der davon ausgeht, dass weder Nutzer noch Geräte oder Dienste grundsätzlich vertrauenswürdig sind – unabhängig davon, ob sie sich innerhalb oder außerhalb des eigenen Netzwerks befinden. Jeder Zugriff wird hier individuell geprüft, freigegeben und kontinuierlich überwacht. 

Im Mittelpunkt steht dabei nicht mehr das Netzwerk als Vertrauenszone, sondern die Identität, der Kontext und das konkrete Zugriffsszenario, Je nach Organisation, technischer Ausgangslage und regulatorischen Anforderungen wird Zero Trust unterschiedlich umgesetzt. 

Der Kerngedanke ist: Vertrauen wird nicht vorausgesetzt, sondern situativ und nach klar definierten Regeln vergeben – und kann bei veränderten Rahmenbedingungen jederzeit entzogen werden.

Zero Trust Prinzip

Zero Trust vereint mehrere Grundprinzipien, die zusammen eine widerstandsfähige Sicherheitsarchitektur bilden: 

  • Minimalrechtevergabe: Jede Berechtigung wird so eng wie möglich gefasst und nur für konkret benötigte Ressourcen erteilt.
  • Strikte Identitätsprüfung: Jeder Zugriffsversuch erfordert eine eindeutige und starke Authentisierung - unabhängig davon, ob er aus dem internen Netz, aus der Cloud oder von extern erfolgt.
  • Kontextsensitives Sicherheitsmodell: Zugriffsentscheidungen berücksichtigen zusätzliche Faktoren wie Gerätezustand, Netzwerkherkunft oder Nutzerverhalten.
  • Segmentierung auf fein granularer Ebene: Systeme und Dienste werden voneinander isoliert, um eine laterale Ausbreitung von Angriffen zu verhindern.
  • Permanente Überwachung: Aktivitäten werden kontinuierlich analysiert, um verdächtige Verhaltensmuster frühzeitig zu erkennen.

Das Ergebnis ist ein Sicherheitsmodell, das wesentlich dynamischer und robuster ist als frühere perimeterbasierte Ansätze.

Zero Trust Zugriffe für umfassende Netzwerksicherheit

Zero Trust verändert die Art und Weise, wie Zugriffe in Netzen verwaltet werden. Statt weitreichender Netzwerkfreigaben entstehen kontrollierte, präzise definierte Verbindungen: 

  • Sichere Remote- und Cloud-Zugriffe: Mitarbeitende greifen nur auf die Anwendungen zu, die sie tatsächlich benötigen – unabhängig vom Standort.
  • Feingranulare Zugriffssteuerung: Dienstleister erhalten ausschließlich Zugang zu den Maschinen oder Anwendungen, die sie für ihre Aufgabe brauchen.
  • Begrenzung von Sicherheitsvorfällen: Sollte ein Account kompromittiert werden, bleiben die Auswirkungen auf das minimale, freigegebene Segment begrenzt.
  • Weniger Angriffsfläche: Durch klar abgegrenzte Mikroperimeter sinkt die Anzahl erreichbarer Systeme erheblich. 

Zero Trust etabliert somit eine Sicherheitskultur, in der Zugriffe nicht verallgemeinert, sondern individuell und risikobasiert gesteuert werden.

Zero Trust als Teil von Cybersicherheitskonzepten

Zero Trust ist kein isoliertes Sicherheitsprinzip, sondern eine weitere Sicherheitsschicht innerhalb moderner Cybersicherheitskonzepte. Oder anders formuliert: Zero Trust ist kein Produkt, das man einfach „kauft“ — es ist ein Architektur- und Organisationsprinzip. 

In ganzheitlichen Schutzarchitekturen ergänzt Zero Trust klassische Maßnahmen wie Firewalls, Endpoint-Security oder Intrusion-Detection-Systeme, indem es den Fokus auf Identitäten, Kontext und kontinuierliche Verifikation legt. 

Während traditionelle Sicherheitsmaßnahmen primär den Zugang zum Netzwerk schützen, fokussiert Zero Trust den Zugriff auf konkrete Anwendungen, Daten und Dienste. Und das auch innerhalb bereits geschützter Netze. 

Für Behörden und Unternehmen bedeutet dies eine deutliche Erhöhung der Resilienz: Selbst, wenn Angreifer bestimmte Verteidigungslinien überwinden, verhindern Zero-Trust-Mechanismen, dass sie sich unbemerkt im Netzwerk ausbreiten oder auf besonders schützenswerte Systeme zugreifen können. Dadurch wird Zero Trust zu einem wesentlichen Bestandteil einer mehrschichtigen, zukunftsfähigen Sicherheitsstrategie, die sich flexibel an neue Bedrohungslagen anpasst.

Beispiele für Anwendungen von Zero Trust Architekturen

Zero Trust lässt sich in unterschiedlichen Branchen und organisatorischen Kontexten umsetzen. Die folgenden Beispiele zeigen typische Anwendungsfelder und Szenarien.

Telematikinfrastruktur 2.0

Die Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur folgt einem Prinzip, das stark an Zero Trust angelehnt ist: Zugriffe auf medizinische Daten und Anwendungen dürfen nur nach eindeutiger Identitätsbestätigung und im Rahmen klar definierter Rollen erfolgen. Der Schutz sensibler Informationen wird dabei nicht durch Netzwerkgrenzen, sondern durch strenge, objektbezogene Zugriffsregeln gewährleistet.

Industrieumgebungen

In industriellen Produktionsnetzen trifft IT-Sicherheit auf komplexe OT-Infrastrukturen. Hier ermöglicht Zero Trust: 

  • präzise kontrollierte Fernwartungszugänge,
  • eine strikte Trennung von Produktionslinien und Steuerungssystemen,
  • Schutz vor unbemerkter lateraler Bewegung über Maschinen- oder Anlagennetzwerke,
  • Reduktion der Angriffsfläche in Umgebungen, in denen viele Geräte und Protokolle langfristig im Einsatz sind. 

Dieser Ansatz ist insbesondere für KRITIS-Betreiber und Unternehmen mit verteilten Produktionsstandorten relevant.

So setzen Sie Zero-Trust-Konzepte um

Der Übergang zu einer Zero-Trust-Architektur erfolgt schrittweise und erfordert sowohl organisatorische als auch technische Anpassungen.

Empfohlene Schritte:

Piktogramm Lupe Bundesdruckerei

Bestandsanalyse durchführen: 

Identifizieren Sie Nutzergruppen, Prozesse, Anwendungen und Datenflüsse.

Teambesetzung

Rollen- und Berechtigungsmodelle definieren: 

Legen Sie fest, wer auf welche Ressourcen zugreifen darf – möglichst eng und aufgabenbezogen.

Geräte und Identitätsprüfung

Identitäts- und Geräteprüfung etablieren: 

Setzen Sie auf starke Authentisierung, Gerätevalidierung und Richtlinien zur Zustandsprüfung.

Segmentierung

Segmentierung und Mikroperimeter einführen: 

Strukturieren Sie Ihr Netzwerk in klar abgegrenzte Bereiche, um Risiken zu isolieren.

 

Piktogramm Balkendiagramm

Monitoring und Anomalieerkennung integrieren: 

Verwenden Sie Systeme, die kontinuierlich prüfen, ob Zugriffe dem erwarteten Verhalten entsprechen.

Piktogramm Government

Prozesse und Governance verankern: 

Zero Trust benötigt klare Verantwortlichkeiten, Schulungen und interne Compliance-Regeln.

Die Umsetzung ist ein kontinuierlicher Modernisierungsprozess, der sich an realen Nutzungsszenarien, regulatorischen Anforderungen und den sich entwickelnden Bedrohungslagen orientiert.

Zero Trust ohne VPN – aber mit genua

Moderne Zero-Trust-Ansätze lösen klassische VPN-Modelle zunehmend ab. genua als Teil der Bundesdruckerei-Gruppe bietet dafür Lösungen, die Zugriffe nicht mehr auf Netzwerkebene, sondern ausschließlich auf Anwendungsebene gewähren. 

Vorteile dieses Ansatzes sind: 

  • Selektiver Zugriff: Nutzer sehen und erreichen nur die Anwendungen, für die sie autorisiert wurden.
  • Verborgenes Backend: Systeme bleiben vor direkter externer Ansprache geschützt, da keine Netzfreigabe mehr erfolgt.
  • Adaptive Richtlinien: Zugriffe basieren auf Identität, Gerätezustand und weiteren Kontextinformationen.
  • Reduzierte Komplexität: Keine statischen Tunnel, keine vollständigen Netzfreigaben – geringeres Risiko und einfachere Verwaltung. 

Damit entsteht eine moderne Remote-Access-Struktur, die speziell für hybride Arbeitsmodelle sowie für IT-/OT-gemischte Umgebungen geeignet ist.

Zero Trust-Lösungen der Bundesdruckerei-Gruppe in der Übersicht

Die Lösungen der Bundesdruckerei-Gruppe sind Bausteine für Zero-Trust-Modelle; wie gut sie wirken, hängt stark davon ab, wie konsequent das Prinzip in der Organisation umgesetzt wird. 

Die Bundesdruckerei-Gruppe bietet ein sehr breites Spektrum an Komponenten, die sich hervorragend eignen, eine Zero-Trust-Architektur zu unterstützen — von Identitätsmanagement und Zertifikaten über Netzwerk- und Infrastruktur-Sicherheit bis hin zu datenschutz- und compliance-konformen Datenaustauschlösungen. 

Für Organisationen mit hohen Sicherheitsanforderungen, sensiblen Daten oder komplexen Strukturen kann eine Zero-Trust-Implementierung auf Basis dieser Lösungen ein sinnvoller und nachhaltiger Weg sein.

Die genua GmbH als Teil der Bundesdruckerei-Gruppe bietet verschiedene Lösungen an, die zentrale Elemente eines Zero-Trust-Modells adressieren: 

  • genusphere: Zugriff auf Anwendungen ohne VPN, inklusive rollenbasierten Regeln, Identitätsprüfung und kontextsensitiven Sicherheitsentscheidungen.
  • genubox: Eine Lösung für den sicheren Fernzugriff im industriellen Umfeld, die Zugänge stark begrenzt und auditsicher protokolliert. 

Beide Produkte unterstützen Behörden und Unternehmen dabei, Zero Trust schrittweise und ohne tiefgreifende Netzrekonstruktion einzuführen.

Die Bundesdruckerei GmbH bietet mit Bdrive eine sichere Plattform zum Austausch und gemeinschaftlichen Arbeiten an sensiblen Daten an. 

D-Trust ist der Anbieter innerhalb der Bundesdruckerei-Gruppe für digitale Zertifikate, elektronische Signaturen für Behörden und Unternehmen, Personenzertifikate und Organisationszertifikate sowie TLS/SSL-Zertifikate und Zertifikate für Geräte und Maschinen

Der Ansatz der Bundesdruckerei-Gruppe sieht vor, dass auch bei mobilen Endgeräten, externem Zugriff oder cloudbasierten Diensten Sicherheit, Authentizität und datenschutzkonformer Datenaustausch gewährleistet sind — typisch für Zero-Trust-Szenarien, in denen klassische Vertrauensgrenzen (z. B. internes Netzwerk) nicht mehr gelten.

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